domingo, março 01, 2015

oberfläche

e enquanto o Carnaval ainda rugia, chegou na minha mão a tradução em alemão do primeiro conto de Correnteza e Escombros, cortesia da amiga Petra Nert. Ainda tenho que me organizar pra fazer um cantinho pra isso no site do livro, mas pra quem quiser se arriscar nela, segue aí embaixo.

Oberfläche

Y en esta soledad final, a la que él ya no vuelve, me consuela pensar que acaso va a escribir sobre nosostros, creyendo imaginar un cuento va a escribir todo esto sobre los axolotl.”
            (Julio Cortázar, "Final del Juego" (dt. Titel: Ende des Spiels))

        Durch den Terror der Bewegung fühlte er sich plötzlich eingekesselt. Er konnte noch nicht begreifen, was er auf der anderen Seite des Glases zurückließ, aber ein Blick zurück in das Aquarium rief in ihm eine Mischung aus Schmerz und Nostalgie, verursacht von dem Verlust, hervor. Nach einem Moment in verwirrter Trance, in welchem er noch versuchte zu verweilen, wenn schon nicht im Kontakt mit dem Wasser, so wenigstens in seiner Nähe, riss ihn die laute Strömung an der Oberfläche mit: das Husten des Wärters, die Unterhaltung der Leute, die ihn für verrückt hielten, wie sie ihn da so reglos sahen, und schlussendlich der Lautsprecher, der das Schließen des Zoos verkündete. Auf der Straße erschlug ihn die Geschwindigkeit der Fahrzeuge fast: Überbleibsel der Starre durchzuckten seinen Körper und er entging nur knapp den Stoßstangen. Wie er den Heimweg fand, wusste er nicht, da er sich nicht erinnerte, jemals dort gewesen zu sein. Aber selbst die unergründliche Sicherheit seiner Schritte verhinderte den Umweg für ein Eintauchen in der Quai de la Tournelle unter den gleichgültigen Blicken eines betrunkenen Paares nicht.
        Zuhause empfing ihn die Frau, von der er annahm, dass es seine war, mit offensichtlichem Befremden, zog es aber vor, nichts zu sagen. Sie brachte trockene Kleider an, hängte die nassen vor den Ofen, stellte das Essen auf den Tisch stehen und ging besorgt schlafen. Es war nicht das erste Mal, dass ihr Ehemann im Rive Gauche verschwand und ohne eine gute Erklärung zurückkam. An einem anderen Tag aß er zur Kaffeezeit seine Käsesandwiches mit Appetit, aber nicht ohne sich zu fragen, warum er nicht auch die an der Studiodecke sitzenden Insekten verschlänge. Beim Verlassen des Hauses überraschte er sich damit, dass er seiner Frau überzeugend versicherte, er ginge in ein Büro, von dem er nicht einmal wusste, wo es war. Sobald er jedoch draußen war, erstarkte sein Wille wieder und es zog ihn von neuem zurück zum Aquarium im Jardin des Plantes.
       Dort angekommen blieb er stundenlang regungslos vor der ehemaligen Heimat stehen. Die feuchte Stille des Ganges und die feste Berührung der Eisenstange am Körper verschafften ihm etwas Erleichterung, aber diese hielt die Unruhe darüber, nicht mehr da hinein zugehören, kaum im Zaum. So sehr er sich auch bemühte, es gelang ihm nicht, den Frieden, der ihn beim letzten Mal umgeben hatte, wiederzuerlangen: das kleinste Geräusch quälte ihn, sei es die tropfende Luftfeuchtigkeit an den steinernen Wänden oder das leise Brüllen der Raubtiere am anderen Ende des Gartens. Gleichzeitig fühlte er, dass das Leiden beidseitig war. Er las dieselbe Verzweiflung, wenn gleich unterschwellig und still, in den goldenen Augen des Salamanders, der seinen Körper gegenüber von dem Gesicht hinter dem Glas ausgestreckt hatte und ihn unbewegt beobachtete.
       Der Lautsprecher riss ihn ein weiteres Mal aus der Trance, dessen Lärm ließ ihn ängstlich aus dem Zoo rennen. Er kam sogar noch mehrere Male in den folgenden Tagen, vielleicht Wochen, aber mit wenig Begeisterung. Mit der Zeit verängstigten ihn die Geräusche des Alltags weniger, er schätzte sie weiterhin nicht, aber die Angst vor dem Unbekannten hatte sich bereits verflüchtigt. Nach einiger Zeit beschloss seine Frau ihm zu folgen und nachdem sie entdeckt hatte, was er an seinen freien Nachmittagen macht, gelang es ihr, dass er von Zeit zu Zeit einen Arzt sah. Die Besuche in der Praxis verringerten sein Leiden nicht, aber brachten ihm die Erkenntnis, dass er lügen und mit Leichtigkeit Unmengen von absurden Geschichten erfinden konnte, um ein Benehmen zu rechtfertigen, dass ihm selbstverständlich erschien. Seltsamerweise kam er dank dieser Fähigkeit mit der Zeit zu der Überzeugung, dass er, wenn er schon in seine nicht zurückkehren könne, doch wenigstens in dieser Welt, die sich so weitreichend von der seinen unterschied, überleben könne.
       Nach einigen Monaten kehrte er nicht mehr zum Aquarium zurück. Er ahnte, dass er einen Teil von sich zurückließ und dass ihm der Kontakt zu den auf der anderen Seite Zurückgebliebenen fehlen würde. Aber die Nähe zum Wasser schmerzte ihn und die Qual, bei jedem Ertönen des Lautsprechers in die Gegenwart zurückzukehren, erschien ihm unnötig. Er gewöhnte sich allmählich an das Schicksal, das ihn erwartete – eingeschlossen in einer Wüste aus Kurzlebigkeit und Verfall. Und wie alle um ihn herum, sah er die Aufgabe am Leben zu bleiben, als ob er den Zusammenbruch der Welt um ihn herum nicht bemerken würde, als eine merkwürdige Pflicht an. In schlaflosen Nächten jedoch erfasste eine Feuchtigkeit seinen Körper wieder, wodurch er in eine gierigen und fiebrigen Zustand verfiel. In diesen Stunden trat seine wahre Persönlichkeit aus den dunklen Wassern hervor und ließ ihm keine andere Wahl, als wie ein Wahnsinniger das Heft aus der Schublade zu reißen und anzufangen zu schreiben.

3 comentários:

Biti disse...

Super! Pena que acabei o Grundkurz do Goethe há mais de 40 anos e meu alemão ficou enterrado ali. Vera e Odi vão gostar.

Denis Garcia disse...

Poxa.... tive que jogar na tradutor pq eu fiquei curioso. Texto interessante.

Olavo Amaral disse...

Bá, não confia nesse bicho aí... O original tá online no link abaixo. :) http://www.olavoamaral.com.br/livro.php?pag=10&dir=2